PrEP: Die Pillen davor

PrEP (auch HIV-PrEP) ist die Abkürzung für Prä-Expositions-Prophylaxe“ auf Deutsch: Vorsorge vor einem Risiko-Kontakt.

Bei dieser Schutzmethode nehmen HIV-negative Menschen entweder täglich oder vor und nach sexuellen Kontakten (anlassbezogen) ein HIV-Medikament ein, um sich vor einer Ansteckung mit HIV zu schützen.

Die PrEP schützt so gut wie Kondome und Schutz durch Therapie vor HIV, wenn sie richtig angewendet wird. Die PrEP schützt vor HIV, aber nicht vor anderen Geschlechtskrankheiten.

Man bekommt sie nur bei bestimmten Ärzt*innen verschrieben. Die DAK ist die erste Krankenkasse, die die Kosten der PrEP übernimmt (maximal 200 Euro pro Quartal abzüglich der gesetzlichen Zuzahlung). Die PrEP ist ab 40 Euro pro Monat zu bekommen.

Man kann die PrEP täglich nehmen oder in einem bestimmten Einnahmeschema vor und nach dem Sex. Wer die PrEP nimmt, muss regelmäßig auf HIV, andere Geschlechtskrankheiten und die Nierenfunktion untersucht werden. Eine gute ärztliche Begleitung gehört zur PrEP dazu.

WIe funktioniert die PrEP?

Zur PrEP wird ein Medikament aus der HIV-Behandlung eingesetzt. Es hindert HIV daran, sich zu vermehren.

Die beiden Wirkstoffe im PrEP-Medikament gelangen unter anderem in die Zellen der Schleimhäute (zum Beispiel im Darm), die beim Sex mit Körperflüssigkeiten oder Schleimhäuten des Partners oder der Partnerin in Kontakt kommen.

Wenn HIV dann in diese Zellen eindringt, können sich die Viren nicht vermehren. Eine HIV-Infektion wird somit verhindert.

Dazu muss jedoch eine ausreichende Menge der Wirkstoffe im Blut und in den Schleimhäuten vorhanden sein. Wird das Medikament abgesetzt, verschwinden die Wirkstoffe im Körper und somit auch die Schutzwirkung.

In extrem seltenen Fällen sind die übertragenen Viren schon gegen das PrEP-Medikament resistent. Dann kann es trotz korrekter PrEP-Anwendung zu einer Ansteckung kommen. Weltweit sind bisher aber nur eine Handvoll solcher Fälle bekannt geworden.

Für wen wird die PrEP empfohlen?

Die Deutsch-Österreichischen PrEP-Leitlinien empfehlen die PrEP für alle Menschen mit erhöhtem (substanziellem) HIV-Risiko. Dazu gehören zum Beispiel

  • Männer, die Sex mit Männern haben (MSM) und in den letzten drei bis sechs Monaten Analverkehr ohne Kondom hatten und/oder voraussichtlich in den nächsten Monaten Analverkehr ohne Kondom haben werden
  • MSM, die in den letzten zwölf Monaten eine Geschlechtskrankheit hatten
  • Partner_innen von Menschen mit HIV, die keine HIV-Therapie machen, bei denen die HIV-Therapie nicht richtig wirkt oder bei denen die HIV-Therapie noch nicht mindestens sechs Monate lang wirkt
  • Menschen, die Sex ohne Kondom mit Partner*innen haben, bei denen eine undiagnostizierte HIV-Infektion wahrscheinlich ist; dies schließt zum Beispiel Sexarbeiter*innen ein, die ohne Kondom Sex haben
  • Drogen injizierende Personen, die keine sterilen Spritzbestecke verwenden.

Bezug und Kosten

Die PrEP zum Schutz vor HIV kann nur von bestimmten Ärzt*innen verschrieben werden. Derzeit übernimmt die DAK als erste Krankenkasse in Deutschland die Kosten für die PrEP (max. 200 Euro pro Quartal, zuzüglich der Rezeptgebühren).

Ärzt*innen, die zuvor Schulungsmaterial vom jeweiligen Hersteller der PrEP-Pillen bekommen haben, können die zur PrEP zugelassenen Medikamente verschreiben.

Seit Oktober 2017 gibt es die Möglichkeit, die PrEP für rund 40 Euro pro 28 Tabletten in ausgewählten Apotheken in mehreren deutschen Städten zu bekommen. Dazu benötigt man von seinem Arzt oder seiner Ärztin ein Privatrezept, auf dem Folgendes verordnet sein muss:

    PrEP Emtricitabin / Tenofovirdisoproxil
    Hexal 200mg / 245mg Filmtabletten
    28 Stück zur Verblisterung

Die Angaben "PrEP", "28 Stück" und "zur Verblisterung" sind dabei absolut notwendig. Nur so erhält man den günstigen Preis. Mit diesem Rezept geht man zu einer der teilnehmenden Apotheken.

Nach ca. 2 bis 3 Tagen können die Medikamente dann in der Apotheke abgeholt werden. Bei Fragen zur PrEP stehen die teilnehmenden Apotheken auch gerne zur Verfügung.

Weitere Möglichkeiten der PrEP auf Privatrezept
Die Kosten für die anderen zugelassenen PrEP-Medikamente liegen je nach Herstellerfirma zwischen etwa 50 Euro und 800 Euro für eine Monatspackung. Diese Medikamente sind über jede Apotheke in Deutschland zu bekommen.

PrEP aus dem Ausland
Andere Wege, sich PrEP-Medikamente zu besorgen (z.B. im Ausland oder auf dem Schwarzmarkt), können mit Risiken verbunden sein. Wichtig sind auf jeden Fall eine gute ärztliche Beratung, Vorbereitung und Begleitung der PrEP. Von Selbstversuchen ist dringend abzuraten.

Einnahmeschemata für die PrEP

Damit eine PrEP funktioniert, ist das richtige Einnahmeschema wichtig. Üblich ist die tägliche Einnahme, bei der man über einen längeren Zeitraum eine Tablette täglich nimmt, um sich vor HIV zu schützen. In manchen Fällen kommt die anlassbezogene PrEP in Frage, bei der man vor und nach dem Sex Tabletten einnimmt.

Tägliche Einnahme der PrEP
Bei einer dauerhaften PrEP nimmt man täglich eine Tablette ein. Diese PrEP-Form wird in den Deutsch-Österreichischen Leitlinien empfohlen. Männer starten zwei Tage, Frauen sieben Tage vor dem Sex mit jeweils einer Tablette täglich und nehmen dann weiterhin täglich eine PrEP-Tablette ein. Wenn man eine PrEP beenden will, nehmen Männer noch zwei Tage und Frauen sieben Tage nach dem letzten Sex je eine PrEP-Tablette täglich. Manche Ärzt*innen können auch längere Ausschleichphasen empfehlen.

Einnahme bei der anlassbezogenen PrEP
Bei einer anlassbezogenen PrEP (nur für Analverkehr, nicht für aufnehmenden Vaginalverkehr empfohlen) nimmt man das PrEP-Medikament nur vorübergehend ein, zum Beispiel anlässlich einer Sexparty oder während eines Urlaubs. Dazu beginnt man am besten 24 bis spätestens 2 Stunden vor dem Sex mit zwei Tabletten auf einmal. Die Einnahme nur zwei Stunden vorher gilt allerdings als sehr knapp. Anschließend nimmt man dann eine Tablette täglich und setzt die Einnahme nach dem letzten Sex noch zwei Tage fort. Für Frauen ist auf jeden Fall die tägliche Einnahme am sichersten, denn in der Vaginalschleimhaut reichert sich Truvada nicht so gut an wie in der Darmschleimhaut. Die anlassbezogene PrEP wird für aufnehmenden Vaginalverkehr nicht empfohlen.

Wie sehen die medizinische Begleitung und PrEP-Checks aus?

Eine gute medizinische Begleitung gehört zur PrEP unbedingt dazu. Dazu gehören regelmäßige PrEP-Checks, zum Beispiel auf die Nierenfunktion und weitere Geschlechtskrankheiten. Um Resistenzbildungen zu vermeiden, muss auch regelmäßig auf HIV getestet werden. Mit dem Arzt oder der Ärztin kann auch über Nebenwirkungen gesprochen werden.

Vor Beginn der PrEP
Vor Beginn der PrEP muss ein HIV-Test sicherstellen, dass man HIV-negativ ist. Wenn man HIV-positiv ist und nur das PrEP-Medikament nimmt, kann HIV sich vermehren und resistent, also unempfindlich gegen manche HIV-Medikamente werden. Vor dem PrEP-Start muss außerdem die Nierenfunktion überprüft werden. Wer an einer Nierenerkrankung leidet, sollte keine PrEP machen. Außerdem sollte untersucht werden, ob eine Hepatitis-B-Infektion vorliegt. Sollte eine Hepatitis-B-Infektion vorliegen und man setzt die PrEP irgendwann ab, kann sich die Hepatitis B verschlimmern. Gegen Hepatitis B kann man sich impfen lassen. Die Krankenkasse bezahlt die Impfung zum Beispiel für schwule Männer. Die Deutsch-Österreichischen PrEP-Leitlinien empfehlen außerdem, sich vor Beginn einer PrEP auf Hepatitis C, Syphilis, Tripper und Chlamydien untersuchen zu lassen.

Während einer PrEP
Vier Wochen nach Beginn einer PrEP und anschließend alle drei Monate ist ein HIV-Test erforderlich. Die Deutsch-Österreichischen PrEP-Leitlinien empfehlen außerdem Untersuchungen auf Hepatitis C (alle sechs bis zwölf Monate), Syphilis (alle drei Monate), Tripper (alle drei bis sechs Monate) und Chlamydien (alle drei bis sechs Monate). Auch die Nierenfunktion soll regelmäßig überprüft werden (je nach Risikofaktoren alle drei bis zwölf Monate).

Nach Beendigung einer PrEP
Nach Ende einer PrEP werden Untersuchungen auf HIV (sechs Wochen nach der letzten PrEP-Einnahme) sowie auf Syphilis empfohlen.

Wo kann man die Untersuchungen durchführen lassen?
Tests auf HIV, Geschlechtskrankheiten und Hepatitis B können in den meisten Aidshilfen, Checkpoints und Gesundheitsämtern durchgeführt werden (es gibt nur wenige Ausnahmen, die diese Tests nicht anbieten). Die Tests sind dort anonym. Hier die Teststellen im Überblick. Einige Checkpoints bieten auch Tests der Nierenwerte an. In der Arztpraxis sind alle Checks möglich, allerdings nicht anonym.

Was kosten die Untersuchungen?

Aidshilfen, Checkpoints, Gesundheitsämtern (anonymer Test):
Nierenwerte: etwa 3 Euro, HIV, Geschlechtskrankheiten, Hepatitis B: Zwischen 0 und etwa 15 Euro pro einzelnem Test. Unterscheidet sich nach Stadt und Teststelle

Arztpraxis:
Nierenwerte: etwa 3 Euro, HIV, Geschlechtskrankheiten, Hepatitis B: Kostenübernahme durch Krankenkasse unter bestimmten Voraussetzungen, Preis bei Privatzahlung unterschiedlich und teilweise sehr hoch.

Die Kosten werden von der gesetzlichen Krankenversicherung nur übernommen,

  •  wenn man ein Risiko hatte, sich mit einer Geschlechtskrankheit zu infizieren – zum Beispiel, wenn ein Sexpartner_innen eine Geschlechtskrankheit hat oder wenn man in
  • der letzten Zeit häufig wechselnde Sexpartner_innen hatte;
  • wenn man Symptome einer Geschlechtskrankheit hat, z. B. wenn folgende Anzeichen auftreten: Brennen beim Wasserlassen, Jucken oder Ausfluss im Genital-, oder Analbereich, Hautausschläge.

Wenn die Untersuchungen privat in Rechnung gestellt werden, können sie sehr hoch ausfallen. Man sollte daher auf jeden Fall davor mit der Ärztin oder dem Arzt darüber sprechen, ob und wenn ja, welche Kosten entstehen.

Welche Nebenwirkungen hat das PrEP-Medikament?

Die meisten Menschen vertragen das PrEP-Medikament gut. Manche klagen in der ersten Zeit über Übelkeit, Durchfall, Kopf-, Bauch- und Gelenkschmerzen sowie Müdigkeit oder Schlafstörungen.

Die Einnahme des PrEP-Medikaments verringert die Leistungsfähigkeit der Niere. Wer an einer Erkrankung der Niere leidet, sollte keine PrEP einnehmen.

Wichtig ist, die Nierenwerte bei einer PrEP regelmäßig kontrollieren zu lassen.

Die Nierenfunktion kehrt in der Regel wieder zu ihren Normalwerten zurück, wenn man das Medikament absetzt.

Was ist mit Resistenzen?

Ein wichtiges Thema rund um die PrEP sind Resistenzen. Gemeint sind HIV-Virusstämme, die gegen das PrEP-Medikament unempfindlich sind, sodass das Medikament nicht mehr richtig wirkt und HIV sich wieder vermehren kann.

Zu solchen Resistenzen kann es kommen, wenn man eine PrEP nimmt, obwohl man schon HIV-infiziert ist. Das ist zum Beispiel zu Beginn einer PrEP möglich, denn die HIV-Tests schlagen nicht an, wenn man sich gerade ganz frisch infiziert hat.

Außerdem kann es zu Resistenzen kommen, wenn man die PrEP nicht nach Vorschrift nimmt und sich deswegen infiziert.

Es ist deshalb sehr wichtig, vor Beginn der PrEP, vier Wochen nach Beginn der PrEP und anschließend alle drei Monate während der PrEP einen HIV-Test zu machen.

Viren, die gegen des PrEP-Medikament resistent sind, können auch übertragen werden. Dann kann es trotz PrEP zu einer Infektion kommen. Das geschieht aber extrem selten. Weltweit sind bisher aber nur eine Handvoll solcher Fälle bekannt geworden.

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