MPX (Affenpocken): Was Männer, die Sex mit Männern haben, jetzt wissen sollten.

Seit Mai gibt es in Europa und anderen westlichen Ländern einen Ausbruch der „Affenpocken“ (wissenschaftlicher Name MPX). In Deutschland wurden bis Ende Juni rund 1.000 Infektionen festgestellt. Betroffen sind bisher vor allem schwule und bisexuelle Männer, die Sex mit häufig wechselnden Partnern haben.

MPX können sehr unangenehme Symptome haben, heilen aber zum Glück in der Regel von alleine wieder aus. Demnächst wird für Menschen mit erhöhtem Risiko eine Impfung zur Verfügung stehen. Auch sonst kannst du einiges tun, um dich zu schützen.

Wir möchten dazu beitragen, dass Männer die Sex mit Männern, gut Bescheid wissen, und sich so gut wie möglich schützen können. Außerdem möchten wir Panik und Stigmatisierung entgegenwirken. Lasst uns gemeinsam einen guten Umgang mit dieser Situation entwickeln!

Der Begriff Affenpocken löst viele falsche Vorstellungen aus und kann dazu beitragen, dass Menschen mit dieser Erkrankung stigmatisiert werden. Deswegen bevorzugen wir den eher neutralen Begriff MPX (der allerdings für das englische monkey pox steht). Da die meisten Menschen derzeit aber nach dem Begriff Affenpocken suchen, verwenden wir beide Begriffe parallel.

(Texte: ICH WEISS WAS ICH TU | Deutsche Aidshilfe)

Wie werden Affenpocken/MPX übertragen?

Das MPX-Virus wird vor allem durch engen Körperkontakt übertragen. Die meisten Infektionen in Deutschland und anderen westlichen Ländern erfolgen zurzeit durch sexuelle Kontakte. Ausführliche Informationen: Affenpocken Übertragung

Was sind Symptome?

Symptome können einige Tagen bis drei Wochen nach der Infektion beginnen. Zunächst treten oft zunächst Symptome wie Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen sowie Lymphknotenschwellungen auf. Dann kann es zu Ausschlag und den typischen Pocken-Pusteln kommen – oft zuerst an den Stellen, wo das Virus in den Körper eingedrungen ist. Wenn die Schleimhäute im Analbereich, am Penis oder im Mund betroffen sind, kann das äußerst schmerzhaft sein. Auch auf der normalen Haut können die Pusteln stark schmerzen oder jucken. Bei der Rückbildung der Pusteln können sich Narben bilden.

Wie kann ich mich schützen? Und gibt es eine Impfung?

Gegen MPX („Affenpocken“) wirkt der Impfstoff gegen die echten Pocken. Er wird zunächst vorrangig nach einem Kontakt mit dem Erreger eingesetzt, um Erkrankungen und schwere Verläufe zu verhindern. Wir haben hier die wichtigsten Informationen zusammengefasst.

Das Wichtigste zur Affenpocken-Impfung

  • Es gibt einen in der Regel gut verträglichen Impfstoff.
  • Geimpft wird zunächst vor allem nach einem Kontakt mit dem Erreger.
  • Eine frühere Pockenimpfung schützt auch vor MPX („Affenpocken“).
  • Es besteht keine Veranlassung zur massenhaften Impfung gegen MPX.
  • Auch Menschen mit HIV können gegen Pocken geimpft werden.
  • Es werden zwei Dosen im Abstand von ca. vier Wochen verimpft.


Gibt es einen Impfstoff gegen Affenpockenviren (MPXV)?

Für Personen ab 18 Jahren ist in Europa der Pocken-Impfstoff Imvanex zugelassen (in den USA Jymneos), der laut STIKO-Empfehlung auch zum Schutz vor MPX („Affenpocken“) eingesetzt werden kann. Er ist in der Regel gut verträglich, Impfreaktionen wie

  •     Schmerzen, Rötung, Schwellung und Juckreiz an der Einstichstelle
  •     Muskelschmerzen, Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit und Übelkeit

sind häufig (in mehr als einem von zehn Fällen), klingen in der Regel aber nach wenigen Tagen ab.

Bin ich geschützt, wenn ich schon gegen die echten Pocken (Variola) geimpft wurde?

Die Impfung gegen die echten Pocken (Variola), die bis 1976 in der BRD und bis 1982 in der DDR Pflicht war, bietet laut RKI auch einen Schutz gegen MPX („Affenpocken“). Trotzdem wird eine nachträgliche Impfung nach einem Kontakt mit dem Erreger (Postexpositionsprophylaxe) oder eine vorbeugende Impfung für besonders gefährdete Personen auch Menschen empfohlen, die früher bereits gegen Pocken geimpft wurden. Bei ihnen reicht dann allerdings in der Regel eine Impfstoffdosis statt zweien aus.
Für wen gibt es eine Empfehlung, sich gegen MPX („Affenpocken“) impfen zu lassen?

Die STIKO unterscheidet zwei verschiedene Anlässe für eine Impfung:

  •     die nachträgliche Impfung (Postexpositionsprophylaxe, nachdem man dem Erreger „ausgesetzt“ war = nach einer Exposition)
  •     die vorbeugende Schutz-Impfung.

1. nachträgliche Impfung (Postexpositionsprophylaxe): Eine „nachträgliche Impfung“ wird vor allem empfohlen

  •     nach engem körperlichem Kontakt über Haut oder Schleimhäute mit einer an MPX erkrankten Person (z. B. Kontakte beim Sex oder beim gemeinsamen Wohnen)
  •     nach Kontakt in der medizinischen Versorgung ohne ausreichende persönliche Schutzausrüstung
  •     nach ungeschütztem Kontakt von Laborpersonal mit nicht inaktiviertem MPX-Material


2. vorbeugende Schutz-Impfung: MPX-Fälle wurden in Deutschland bislang vor allem bei Männern festgestellt, die Sex mit Männern haben (MSM). MSM mit häufig wechselnden Partnern haben ein erhöhtes Risiko und sollen daher durch eine Impfung besonders geschützt, eine weitere Ausbreitung soll verhindert werden. Allerdings ist der Impfstoff zu Beginn knapp, Vorrang sollen deshalb nachträgliche Impfungen haben.

Eine Impfung wird außerdem für Laborpersonal empfohlen, das Kontakt mit infektiösen Proben hat und als infektionsgefährdet gilt.

Können sich Menschen mit HIV auch impfen lassen?

Auch Menschen mit HIV können sich impfen lassen, solange ihrer Helferzahl mindestens bei 100 liegt. Es wurde jedoch bei Personen mit schwächerem oder geschwächtem Immunsystem (100 bis 750 Helferzellen pro Mikroliter Blutplasma) beobachtet, dass die Impfwirkung geringer ausfallen kann.
Sollen sich jetzt alle gegen Affenpocken (MPX) impfen lassen?

Derzeit geht das RKI davon aus, dass für den Großteil der Bevölkerung kaum eine Gefahr besteht, sich mit dem Affenpockenvirus (MPXV) zu infizieren. Eine Impfung wird daher nur für Menschen mit erhöhtem Risiko empfohlen.

Eine Übersicht von Ärzt*inen findest du unter dagnae.de. Ausführliche Informationen zur Impfung findest du unter iwwit.de und rki.de.

Impfstellen in NRW

„Das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales NRW (MAGS NRW) hat eine aktualisierte Liste aller Impfstellen mit Stand 25.07.2022 veröffentlicht. Die Liste enthält sowohl HIV-/STI-Schwerpunktpraxen als auch HIV-/Infektionsschutzambulanzen der Universitätskliniken in Bochum, Bonn, Düsseldorf, Essen, Münster und Köln. Gemäß aktualisierter STIKO-Empfehlung soll bei Impfstoffmangel nur eine Impfdosis pro Person verimpft werden.
 
Das Land NRW hat im Anschluss an diese Empfehlung die Bezirksregierungen gebeten, die in ihren jeweiligen Regierungsbezirken ansässigen Impfstellen über diese Präzisierung zu informieren. Bereits gebuchte Termine für Zweitimpfungen sollen gemäß aktueller Empfehlungslage storniert und der vorhandene Impfstoff zunächst ausschließlich für Erstimpfungen genutzt werden.
 
Ergebnisse aus Studien zeigen, dass bereits die 1. Impfstoffdosis einen Basisschutz gegenüber Affenpocken vermittelt und die 2. Impfstoffdosis hauptsächlich dazu dient, die Dauer des Impfschutzes zu verlängern. Immunologische Studien haben gezeigt, dass der durch eine 1. Imvanex-Impfung vermittelte Immunschutz ab 2 Jahren nach Impfung nachlässt und dann eine 2. Impfstoffdosis für einen dauerhaften Impfschutz erforderlich ist.“
 
Hier findest du die aktuelle Liste der Impfstellen in NRW (PDF).

"Aufgrund der begrenzten Impfstoffmenge können dort derzeit nur folgende Personen geimpft werden:

  • Exponierte Personen (Postexpositionsprophylaxe gemäß den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO),
  • Männer mit einer hohen Anzahl an gleichgeschlechtlichen sexuellen Kontakten und folglich einem hohen Risiko für sexuell übertragbare Erkrankungen.

Gemäß STIKO-Empfehlung sind aus den oben genannten Gruppen diejenigen Personen mit einer erhöhten Gefahr für einen schweren Verlauf bevorzugt zu impfen. Die Entscheidung über die Durchführung der Impfung liegt bei dem impfenden Arzt bzw. der impfenden Ärztin.

Wer unter die oben genannten Gruppen fällt, kann sich bei Interesse an einer Impfung an die aufgelisteten Impfstellen wenden. Wir bitten um Verständnis, dass die impfende Ärzteschaft angehalten ist, sehr sorgfältig zu priorisieren, solange kein weiterer Impfstoff verfügbar ist. Wir informieren an selber Stelle, sobald sich eine neue Sachlage ergibt."

Eine FAQ-Liste des RKI zum Thema Impfungen findenst du unter rki.de. Weitere Informationen zu MPX-Viren findest du im Spotlight MPX-Viren.

Betreffen MPX (Affenpocken) nur schwule und andere Männer, die Sex mit Männern (MSM) haben?

Prinzipiell können sich natürlich alle Menschen infizieren. Bisher sind von diesem neuen Ausbruch aber vor allem MSM betroffen. Das Virus ist vermutlich durch einen Zufall in die Community gekommen und findet beim Sex mit wechselnden Partnern gute Bedingungen zur Verbreitung.

Ich habe HIV. Sind Affenpocken für mich besonders gefährlich?

Menschen mit HIV, die eine wirksame Therapie erhalten und einen guten Immunstatus haben, sind wahrscheinlich nicht stärker gefährdet als andere. Menschen mit stark geschwächtem Immunsystem haben wahrscheinlich ein höheres Risiko, sich zu infizieren und die Erkrankung kann einen schwereren Verlauf nehmen. Bisher fehlen jedoch noch wissenschaftliche Erkenntnisse zu dieser Frage.

Ich glaube, ich habe mich infiziert. Was soll ich tun?

Treten Hautveränderungen auf, solltest du dich ärztlich untersuchen lassen. Wenn du Affenpocken hast, vermeide engen körperlichen Kontakt zu anderen und achte auf Hygiene (auch eine Infektion über Kleidung, Bettwäsche, Handtücher und so weiter ist möglich).

Wie werden Affenpocken/MPX behandelt?

Affenpocken heilen in der Regel von alleine aus. Wenn nötig, können Symptome (z.B. Schmerzen) behandelt werden. Für schwere Verläufe ist seit Januar 2022 das Medikament Tecovirimat zugelassen.

Wo finde ich mehr gesicherte und zuverlässige Infos?

Ausführliche Infos findest du laufend unter aidshilfe.de und rki.de.

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