Ohne Ehrenamtliche wären wir heute nicht da, wo wir sind!

Ein Interview mit Benny, Ehrenamtskoordinator der AIDS-Hilfe Bielefeld, Oliver, und Sascha, Ehrenamtler Herzenslust, Aidshilfe Bochum, und Ben, Ehrenamtler Checkpoint, Aidshilfe Köln.

Erzählt doch mal ein wenig von euch.

Benny: Ich bin Benny, 29 Jahre, Student, aus Bochum und jetzt seit fast zehn Jahren in den Herzenslust-Teams Bochum und Gelsenkirchen aktiv.

Sascha: Ich bin Sascha, 35 Jahre alt. Ich bin von Beruf Karriere- coach und mache wirtschaftliche Beratung. Hier bei Herzenslust in Bochum mache ich beim Beratungs- und Test-Projekt und in der Vor-Ort-Arbeit mit.

Ben: Ich heiße Ben und bin 33 Jahre alt, Psychiatriepfleger und seit zwölf Jahren bei Check Up in der Aidshilfe Köln. Ich bin dort Streetworker in der Szene und mache bei Beratung und Test den Empfang.

Oliver: Ich bin Olly, 48, Diplom-Ingenieur für Elektrotechnik und Informationsverarbeitung. Ich bin selbstständig und  leite  seit 20 Jahren das Bielefelder Herzenslust-Team auf Honorarbasis.

Benny, Sascha und Ben, wie seid ihr zu Herzenslust gekommen?

Benny: Ich war lange Jahre bei der Schwul-Lesbischen Jugend Gelsenkirchen. Als sich die AIDS-Hilfe  dort  aufgelöst  hat,  ist ein Koordinator zu uns gewechselt und hat das Herzenslust- Projekt Wilde Triebe in Gelsenkirchen gegründet. Als die Wilden Triebe von Gelsenkirchen und Bochum verschmolzen, bin ich nach Bochum gekommen. Für mich als schwuler Mann ist die ganze Thematik, die mit Herzenslust verbunden ist, wichtig. Aber was mich wirklich bei der Arbeit hält, ist unser Team. Da ist mittlerweile ein fester Freundeskreis entstanden, der sich auch außerhalb von Herzenslust trifft.
 
Sascha: Durch Benny, meinen Mann. Ich wollte mich ehrenamtlich engagieren, und das Thema war interessant. Anfangs hatten wir relativ wenig Programm. Wir verteilten Präventionsmaterialien in den Kneipen, und es gab vor allem Gesprächsrunden in lockerer Atmosphäre. Mit den Herzenslust-Trainings kam die Professionali- sierung. Ich war 2008 einer der Ersten, die beim Health Support auf Gayromeo dabei waren. Das hat mir sehr viel Spaß gemacht. Vor zwei Jahren bin ich bei Beratung und Test eingestiegen. Eigentlich bin ich Chemiker,  das hat mit Kommunikation nichts  zu tun. Dank Herzenslust kann ich viel besser auf Menschen zu- gehen. Beratung habe ich dann quasi zum Beruf gemacht. Ohne Herzenslust wäre ich nie auf die Idee gekommen.

Ben: Ich wollte was für die Szene machen. Dann habe ich die Jungs von Herzenslust mal in der Szene gesehen. Prävention und das Team sind mir wichtig, auch wenn ich mittlerweile fast nur noch bei Beratung und Test bin. Viele der Leute, die schon fünf, sechs, sieben Jahre dabei waren, sind nach und nach gewechselt, machen aber noch Prävention in der Szene mit, wenn sie Lust dazu haben. Beim CSD und beim Welt-Aids-Tag bin ich auch immer noch dabei.

Wie haltet ihr euch inhaltlich fit für die alltägliche Arbeit bei Herzenslust?

Ben: Wir haben bei Check Up einen Onlinenewsletter mit allen Informationen über wichtige Themen und auch zu unseren Veranstaltungen. Ich lese viel auf der Herzenslust-Seite und informiere mich regelmäßig auf den verschiedensten Seiten rund um HIV und STI im Internet. Zu jedem neuen Test, den wir an- bieten, bekommen wir ein ausführliches Briefing. Trotzdem ist es mir besonders wichtig, dass ich darüber hinaus auch online auf dem neuesten Stand bleibe.

Sascha: Ich war schon zwei Jahre bei den Wilden Trieben,  als ich zum ersten Mal das Herzenslust-Basistraining mitgemacht habe. Das ist jetzt etwa sechs Jahre her, und von da an habe   ich immer wieder neue Trainings gemacht. In der letzten Zeit war ich nur noch beim Beratungs- und Test-Updatetag dabei und bilde mich eher selbst fort.

Benny: Die meisten Informationen hole ich mir über Broschüren und im Internet. Wenn mal Fragen bei einer Präventionsaktion kommen, bei denen man selber nicht weiter weiß, erörtern wir sie im Team. Die Mitarbeiter in der Geschäftsstelle der Aids- hilfe sind gut informiert und helfen gerne weiter. Vor etwas längerer Zeit gab es  einen  Abend  zum  Thema Alles für’n Arsch. Da ging es darum, was man alles mit seinem Hintern so anstellen kann und natürlich auch um Hygiene und Safer Sex. Da gab es jede Menge Infos, die ich auch als prakti-zierender Schwuler bislang nicht kannte.

Oliver: Wir hatten in Bielefeld eine Medizinische Rundreise  zum Thema STI, die sehr komplex war: Wie viele STI  es  gibt, wie sich diese bemerkbar machen können und auf was man alles achten muss. Im Fokus stand auch, dass schwule Männer, die sexuell aktiv sind, nicht unbedingt auf die Idee kommen müssen, dass sie sich möglicherweise mit einer Geschlechts- krankheit infiziert haben könnten. Wenn wir zum Thema STI Aktionen machen, kommen sehr viele Fragen. Viele  wissen zum Beispiel nicht, dass eine Gonorrhöe auch im Hals sitzen kann. Ein Freund erzählte mir, er sei jetzt schon beim fünften Arzt gewesen. Er hat mir die Symptome beschrieben, und ich meinte, „du könntest eine Syphilis haben“. Das war dann tat- sächlich der Fall. Wenn ich das nicht aus der Infoveranstaltung präsent gehabt hätte, wäre ich nicht auf die Idee gekommen.

Was wünscht ihr euch für eure ehrenamtliche Arbeit in der Zukunft?

Benny: Für Herzenslust allgemein wünsche ich mir ganz viele motivierte, kreative Menschen, die  Lust  haben,  das  Projekt  zu gestalten und weiterzuentwickeln, die auch Wege in die Thematik und über die Thematik hinaus finden, die wir vielleicht jetzt noch gar nicht entdeckt haben, sodass es ein lebendiges Projekt bleibt.
 
Sascha: Ich würde mir wünschen, dass Herzenslust ein bisschen offener wäre. Die schwule Szene im Ruhrgebiet existiert so, wie man dies von früher kennt, nicht mehr und ehemalige Szene- orte werden heute immer mehr von einem gemischten Publikum besucht. Eine Aktion wie beispielsweise Bochum Total ist über die Region hinaus bekannt. Da treten wir als Aidshilfe auf. Hier sollten wir die Gelegenheit nutzen und als Herzenslust auftreten und un- sere Präventionsaktionen umsetzen.

Ben: Ich würde mir wünschen, dass wir von Herzenslust NRW landesweit einfach mal ein Sommer- oder Weihnachtsfest machen, wo man sich in lockerer Atmosphäre kennenlernen und austauschen kann.

Oliver: Wir brauchen alle, ob ehrenamtlich oder nicht, Wert- schätzungundpositivesFeedback.LetztesJahrhabenwirdemlang- jährigstenHerzenslust-MitgliedaufdemCSDeineKroneaufgesetzt. Der war zu Tränen gerührt und ist stolz mit seinem Diadem auf dem Platz herumgelaufen. Auf den Positiven Begegnungen, die größte Selbsthilfekonferenz für Menschen, die mit HIV leben und die 2010 in Bielefeld stattgefunden hat, haben wir mit unserem Herzenslust-Team a cappella unsere Moritat gesungen. Danach gab es großen Applaus, viele freundliche Gesichter und Blumen vom Vorstand der Deutschen AIDS-Hilfe. Das hat uns einen wahn- sinnigen Motivationsschub gegeben.

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