Alles eine Frage der Kommunikation

Herzenslust hatte von Anfang an einen professionellen Auftritt, auch medial. Agenturen und weitere Dienstleister haben geholfen, das Erscheinungsbild und die Sprache von Herzenslust zu entwickeln und zu gestalten. In der Onlinekommuni­kation, in den Printmedien, im Veranstaltungsmanagement und bei den Aktionen.  Ganz am Anfang stand die Kooperation mit dem jungen Radiosender 1LIVE. Mehr als 50 Magazinbeiträge gab es zum Kampagnen­start. Prominente Herzenslust-Botschafter wie Dirk Bach, Mate Galic, Georg Uecker, Kena Amoa, Claus Vincon und Stephan Runge, um nur einige zu nennen, standen zur Ver­fügung. Alle zeigten sie ihr bekanntes Gesicht für Herzenslust und öffneten damit so manch eine Tür.

Seit dem Kampagnenrelaunch 2008 erfolgt die Umsetzung des neu entwickelten Corporate Designs und auch der Corporate Identity in der Landesgeschäftststelle der Aidshilfe NRW, um einen einheitlichen Auftritt und einen hohen Wiedererkennungswert zu gewährleisten.

Die Öffentlichkeitsarbeit von Herzenslust ist eng verbunden mit der Pressearbeit des Landesverbands. Es geht darum, die Aktivitäten von Herzenslust ebenso wie die Weiterentwicklung des Projekts gegenüber der Öffentlichkeit zu kommunizieren. Die medizi­nischen Entwicklungen, bewährte und neue Präventionsan­gebote und weitere Themen, die die schwule Community bewegen, stehen im Fokus. Möglichst viele Kanäle werden in Kooperation mit den regionalen Herzenslust-Teams bedient, die Vertreter der Presse werden als wichtige Multiplikatoren begriffen.

Wichtiger Kooperationspartner war von Anfang an die schwule Presse im Land. Von 1997 bis 2002 lagen den regionalen schwulen Printmedien wie der Queer oder der BOX die Herzens­lust-News bei. 2003 und 2004 thematisierte eine Anzeigenkampagne mit 18 Testimonials und Porträts Einstellungen zu schwulem Sex und schwuler Gesundheit. Dieser Zugang wurde später durch die Rollenmodelle der Kampagne ICH WEISS WAS ICH TU der Deutschen AIDS-Hilfe aufgegriffen. Auch wurden Ehrenamtler des Monats oder neue Ehrenamtliche vorgestellt, was motivierend wirkte. Eine regelmäßige Seite zu Themen schwuler Gesundheit ist seit einigen Jahren fester Bestandteil des Magazins FRESH. Die Fachberatung erfolgt durch die Präventionsmitarbeiter der AIDS-Hilfe Essen.

Markus Schmidt, Aidshilfe NRW und Dietrich Dettmann, FRESH-Magazin im Interview zur Kommunikation im Rahmen von Herzenslust und zur Zusammenarbeit mit der Schwulen Presse.

Markus, du bist bei der Aidshilfe NRW für die Öffentlichkeits­arbeit von Herzenslust verantwortlich. Wie sieht dein Arbeitsbereich aus?

Markus Schmidt: Seit Juli 2000 bin ich hier beim Landesverband tätig, unter anderem auch für die Öffentlichkeitsarbeit rund um Herzenslust. Mein Aufgabengebiet erstreckt sich von der Online­kommunikation über Layout, Konzeption und Produktionsbetreuung von Kommunikationsmitteln und Printmedien bis hin zum Veranstaltungsmanagement zentraler Herzenslust-Aktionen. Wir leisten auch Unterstützung bei der Gestaltung des Kampagnenmaterials für die regionalen Herzenslust-Gruppen, denn es ist uns wichtig, dass der Auftritt von Herzenslust bei Aktionen und Projekten im einheitlichen Corporate Design erfolgt. Die klassische Pressearbeit macht unser Pressesprecher Dr. Guido Schlimbach.

Welche Erfahrungen hat Herzenslust mit den schwulen Medien gesammelt?

Markus Schmidt: Ich glaube, in den ersten Jahren war das Interesse der Medien an HIV-Prävention größer, als das heutzutage der Fall ist. Ende der 1990er-Jahre hatten wir mit den Herzenslust-News ein eigenes, redaktionell unabhängiges Medium als vier- bis acht­seitigen Bestandteil der QUEER bzw. der BOX. Hiermit konnten wir selber über unsere Arbeit berichten. Die Herzenslust-News haben wir vor allem aus Kostengründen eingestellt. Auch die Zeiten, in denen wir regelmäßig Anzeigen in den schwulen Printmedien geschaltet haben, sind lange vorbei. Das kriegen wir leider ebenfalls nicht mehr finanziert, auch wenn uns die schwulen Printmedien dafür immer Sonderkonditionen eingeräumt haben.

Ist schwule Prävention mit ihren Botschaften heute noch ein Thema für schwule Medien, speziell Printmedien wie die FRESH?

Dietrich Dettmann: Ich denke schon, dass schwule Medien den Auftrag haben, über HIV, Aids und sexuell übertragbare Krankheiten zu berichten. Das ist und bleibt wichtig. Wir versuchen das Thema Gesundheit regelmäßig mit einzubeziehen. Ein gutes Beispiel ist unsere Gesundheitsseite. Dort beantworten Präven­tionsmitarbeiter der AIDS-Hilfe Essen jeden Monat Fragen der Leser.

Dietrich, Du bist sowohl Herzenslust-Aktivist in Essen als auch langjähriger Mitarbeiter von schwulen Medien. Wie hast du es geschafft, immer wieder Herzenslust-Inhalte unterzubringen?

Dietrich Dettmann: Bei QUEER, EXIT und FRESH haben wir verschiedene Ideen umgesetzt, um Herzenslust erfahrbar zu machen. Wir haben eine Zeit lang den Ehrenamtler des Monats mit Foto vorgestellt. So haben wir den porträtierten Leuten vermittelt, dass ihre Arbeit wichtig ist, und gleichzeitig versucht, neue Leute zum Mitmachen bei Herzenslust zu motivieren. Wir berichten regelmäßig über Aktionen und Projekte wie Beratung und Test oder beispielsweise Mashallah! in Essen. Wir schauen auch immer, dass eine Herzenslust-Aktion bei den Partypics ist. Einen hohen Stellenwert hat natürlich der alljährliche gemeinsame CSD-Auftritt von Herzenslust. Auch wenn die FRESH ein Medium ist, das sich durch Anzeigen finanziert, bleiben mir immer noch genügend redaktionelle Freiräume, um Dinge aufzugreifen, die mir wichtig sind, und da stehen Präventions- und Gesundheitsthemen mit an erster Stelle.

Wie hat sich das Internet auf die Arbeit von Herzenslust ausgewirkt?

Markus Schmidt: Da hat sich unser Fokus in den letzten zehn Jahren eindeutig verschoben. Für die Onlinekommunikation nutzen wir verstärkt unsere Herzenslust-Homepage, unseren Onlinenewsletter, aber auch verschiedene Facebookprofile: sei es das von Herzenslust, das zu den jeweils aktuellen CSD-Aktionen oder das von Socke & Schuss. Wir haben das Gefühl, dass wir online einfacher, schneller und mit weniger Aufwand mehr erreichen. Und auch schneller ein Feedback bekommen. Damit will ich aber nicht sagen, dass Printmedien überflüssig sind. Es muss ja nicht monatlich irgendetwas erscheinen. Wichtig ist, dass Themen wie schwule Gesundheit, STI-Prävention oder Leben mit HIV kontinuierlich redaktionell aufgegriffen werden. Das kann sowohl über inhaltliche Themenschwerpunkte oder aber aktionsbezogen sein. Es ist wichtig, dass über Herzenslust und aktuelle Themen der Präventionsarbeit regelmäßig online und im Print berichtet wird, um die Zielgruppe umfassend zu informieren.

Ein wichtiges Instrument für die Außendarstellung ist die Corporate Identity, das Logo und das Erscheinungsbild von Herzenslust. Ihr habt euch 2008 für einen Relaunch entschieden. Wie kam es dazu?

Markus Schmidt: Das erste Logo war 1995 unter ganz anderen Gesichtspunkten entwickelt worden. Man wollte weg von der tristen Aidszeit und die verspielten, lebensfrohen und lustbetonten Aspekte der Kampagne in den Vordergrund stellen. Ich finde, das war für die Zeit gut gelöst, aber irgendwann war man des Kampagnendesigns ein wenig überdrüssig. „Kann man das nicht ein bisschen erwachsener machen?“, kam als Meldung auch aus den regionalen Herzenslust-Gruppen. Wir haben daraufhin die finanziellen Mittel zusammengescharrt, uns Sponsoren gesucht und gemeinsam mit der Kölner Agentur neues.handeln und etwa zwölf Vertretern der Herzenslust-Gruppen den Kampagnenrelaunch in Angriff genommen. Im Laufe des Jahres 2008 haben wir dann in dieser Arbeitsgruppe abgeklopft, woran sich die bestehende Unzufriedenheit festmacht, was die Leute von einem neuen Erscheinungsbild erwarten, welche inhaltlichen Veränderungen sich für Herzenslust ergeben haben und wie wir das alles in ein neues Corporate Design umsetzen können. Herzenslust hat sich mit den Jahren weiterentwickelt und ist neue Themen und Arbeitsfelder angegangen, von der Onlineprävention über kultursensible Aspekte der Herzenslust-Arbeit bis hin zu neuen Präventionsstrategien. Doch die inhaltlichen Ansätze, die Grundhaltung und Lebenseinstellung waren und sind immer noch stimmig. „Eigentlich brauchen wir nur mal ‘ne neue Frisur“, so ein Zitat aus der Arbeitsgruppe. Eine Moderni­sierung des Erscheinungsbilds war also nach 13 Jahren überfällig. Das ist mit der neuen grafischen, weniger verspielten, aber dennoch dynamischen Gestaltung gut gelungen und wurde auch von den ganzen Herzenslust-Gruppen sehr gut aufgenommen. Es kam wieder neuer Drive in die Identifikation mit der Marke und es macht den Leuten Spaß zu zeigen „Wir sind Herzenlust!“

Dietrich, welche Herausforderungen siehst du, wenn es um die Vermittlung von Herzenslust-Inhalten geht?

Dietrich Dettmann: Die Präventionsbotschaften werden ja immer ausdifferenzierter. Man muss über so etwas wie Schutz durch Therapie und den Umgang mit der Präexpositionsprophylaxe aufklären und über Schutzmöglichkeiten weiter informieren. Wir müssen uns etwas einfallen lassen, um das Thema immer wieder prickelnd zu machen. Das ist nicht ganz so einfach. Da ist ein guter Informationstransfer sehr wichtig.

Markus, was wünscht du dir von schwulen Medien, egal ob Print oder Online?

Markus Schmidt: Es ist wichtig, dass sie es schaffen, die Leser neugierig zu halten, was das Thema Prävention angeht. Man kann auch vermeintlich komplexe Botschaften so erklären, dass die Adressaten sie verstehen. Das ist eine Frage von Sprache, Herangehensweise und auch der Grundhaltung. Der Schutz mit Gummi ist klar und einfach, aber beim Schutz durch Therapie kommen mehrere Faktoren zusammen, was kein Grund ist, es nicht zu kommunizieren, auch wenn man es selbst vielleicht nicht praktizieren würde. Das Ziel muss eine vorurteilsfreie Informationsvermittlung sein. Immer wichtiger wird auch das Thema Antistigmati­sierung von Menschen mit HIV und Aids. Ich denke, Presse und Herzenslust können hier gemeinsam durchaus was bewegen. Wir müssen uns an der einen oder anderen Stelle wieder ein bisschen mehr aufeinander zu bewegen.

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