Herzenslust ist gut vernetzt

Mit der Kampagne Die Szene bist Du! hat das Schwule Netzwerk NRW gemeinsam mit Herzenslust in den Jahren 2001 und 2002 die Auseinandersetzung mit der schwulen Szene unter den unterschiedlichsten Aspekten, von schwuler Gesundheit, Coming-out oder Älterwerden bis hin zu gesellschaftspolitischen Themen, geführt und nach Bedeutung, Stellenwert und Veränderungen gefragt. Diese Kampagne wirkt bis heute nach. Zuletzt hat sich der Runde Tisch im Jahr 2014 mit den aktuellen Entwicklungen im Szeneleben befasst und danach gefragt, welche Auswirkungen diese für die Präventionsarbeit haben.

Einen wichtigen Teil der Szene stellen landesweit die Kneipen, Saunen, Fetischbars, Cruisinggebiete und einschlägigen Partyveranstaltungen dar. Deren Betreiber sind seit Beginn der Aidskrise der 1990er-Jahre mit den Themen Prävention und Leben mit HIV konfrontiert. Orte, an denen sich schwule Männer treffen und sich auch Sexkontakte anbahnen, standen und stehen immer mal wieder unter besonderer Beobachtung auch der Behörden. Umso wichtiger war und ist es, eine verantwortungsvolle Auseinandersetzung mit dieser Lebensrealität schwuler Männer zu führen. Dazu gehören vor allem gut informierte Mitarbeiter mit entsprechender Verweisungskompetenz.

So zählen Wirte und Partyveranstalter und ihre Mitarbeiter auch selbstverständlich zu den ersten Kooperationspartnern von Herzenslust, nehmen Fortbildungsangebote wahr und sitzen mit am Tisch, wenn es darum geht, kommunale Prä­ventionsvereinbarungen zu treffen. Auch wenn die Zusammenarbeit nicht immer reibungslos verläuft, wissen doch alle Beteiligten, dass man auf die Kompetenzen des jeweils anderen angewiesen ist: der Gastwirt auf das Präventionsteam und umgekehrt.

Herzenslust sucht mit seinen Vor-Ort-Aktionen den Zugang zur Szene und ist dafür auf die Offenheit und das Interesse der Betreiber angewiesen, um schwule Männer zu erreichen. Viele Wirte ließen sich davon überzeugen, dass es nicht damit getan ist, Plakate aufzuhängen und Broschüren auszu­legen. Der Ansatz von Herzenslust war von Anfang an ein personalkommunikativer: Herzenslust-Teams kommen in die Lokale und suchen den Kontakt zu den Gästen. Den Herzenslust-Teams werden für ihre Aktionen vor Ort ein freundlicher Auftritt und ein gutes Fingerspitzengefühl bescheinigt. Sie gelten als wichtige Kontaktpersonen, wenn es um weiterführende Informations- und Beratungsangebote geht.

Mit den Jahren ist das Internet als Szeneort immer bedeutsamer geworden. Heute ist es selbstverständlich, sich online zu informieren, mit anderen zu beraten oder Sexkontakte oder Partner zu finden. Das war 1995 noch völlig anders. Die virtuelle Welt ist keine Parallelwelt mehr, sondern ein wichtiger Teil der schwulen Szene und der schwulen Community. Das hat Herzenslust spätestens beim Runden Tisch im Jahr 2004 Wie schön ist das schwule Internet? begriffen und die virtuelle Herzenslust auf den Weg gebracht.

Heute spricht man von „Community-Building“, wenn Herzenslust sich am Erhalt und an der Schaffung von Szenestrukturen beteiligt. Und hier kommt wieder das Schwule Netzwerk NRW als weiterer wichtiger Szenepartner ins Spiel. 1991 mit tatkräftiger Unterstützung der Aidshilfe NRW gegründet, stellt es ein wichtiges Bindeglied von Herzenslust und schwuler Selbstorganisa­tion im Lande dar.

Die Vernetzung geht aber über die Community hinaus. Immer wichtiger wird eine gute Zusammenarbeit mit dem Öffentlichen Gesundheitsdienst. Viele Herzenslust-Projekte arbeiten gut mit den kommunalen Gesundheitsämtern zusammen. Vor allem Test- und Beratungsangebote stehen auf der gemeinsamen Agenda.

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