Wichtige und erfolgreiche Präventionsarbeit

Mit der Herzenslust-Kampagne hat die Aidshilfe NRW wichtige Impulse für einen vorurteils- und angstfreien Umgang mit dem Thema HIV und Aids gesetzt. Die Kampagne zeigt, wie wichtig, aber eben auch wie erfolgreich Präventionsarbeit ist, wenn sie nicht belehrend daherkommt, sondern die unterschiedlichen Lebensstile derer aufgreift, an die sie sich richtet. Vor 20 Jahren war das eine innovative Entscheidung. Heute können wir auf ihren großen Erfolg verweisen. Wer mit HIV infiziert oder erkrankt ist, muss nicht auf eine lustvolle Partnerschaft und Sexualität verzichten. Er kann sich und seinen Partner schützen.

Die Herzenslust-Kampagne hat damals den Boden für eine zukunftsweisende zielgruppengerechte Strategie zur HIV- und Aidsprävention bereitet – mit der Einbindung in bestehende soziale Netze, der Stärkung der Selbsthilfestrukturen, der Einbeziehung von Betroffenenkompetenz in regionalen Herzenslust-Gruppen und Runden Tischen. Sie hat die Prävention für schwule Männer und Männer, die Sex mit Männern haben, nicht nur hier in NRW, sondern auch bundesweit maßgeblich geprägt. Damit hat die Kampagne einen wichtigen Beitrag zur Enttabuisierung der unterschiedlichen sexuellen Lebenswelten geleistet.

Von einer breiten gesellschaftlichen Akzeptanz und einem unvoreingenommenen Umgang sind wir allerdings noch weit entfernt. Immer noch begegnen Menschen mit HIV und Aids in den unterschiedlichen Lebensbereichen - nicht zuletzt wegen ihrer sexuellen Orientierung - Unverständnis oder gar Diskriminierung und Ausgrenzung. Hier stehen wir als Gesellschaft alle in der Verantwortung, für einen offenen und vorurteilsfreien Umgang miteinander einzutreten – egal wen wir lieben, egal, wie wir leben. Die enormen Fortschritte in der Behandlung haben Aids zu einer fast normalen „chronischen“ Erkrankung gemacht. Lebens­perspektive und Lebensqualität von Menschen mit HIV und Aids haben sich deutlich verbessert. Aids ist jedoch auch heute noch eine unheilbare schwere Erkrankung. Nach wie vor ist die Zahl der HIV-Neuinfektionen bei Männern, die Sex mit Männern haben, am höchsten. Auch die in den letzten Jahren zu beobachtende Zunahme von anderen sexuell übertragbaren Krankheiten zeigt einen klaren Handlungsbedarf auf. Das Bewusstsein für die Ansteckungsrisiken und Schutzmöglichkeiten darf nicht nachlassen.

Daher ist es wichtig, dass sich die lebensweltbezogenen und ganzheitlich ausgerichteten Präventionsangebote der Herzenslust-Kampagne kontinuierlich den neuen Erfordernissen anpassen. Sie hat weitere Gruppen in den Blick genommen und die neuen Kommunikationsmedien einbezogen. Die Kampagne ist hierbei so lebendig, ideenreich und kreativ geblieben wie bei ihrem Start vor 20 Jahren. Die feste Verankerung in den örtlichen Hilfesystemen sowie die enge Kooperation und Vernetzung mit den vielfältigen Strukturen schwuler Lebenswelten ist unverzichtbar für ihren sichtbaren Erfolg.

Dank ihrer Innovationskraft und Akzeptanz bei schwulen Männern und Männern, die Sex mit Männern haben, ist die Herzens­lust-Kampagne bis heute ein zentrales Projekt im Rahmen der Aktivitäten des Landes zur Gesundheitsprävention.

Ich hoffe, dass die Dokumentation und Ausstellung zu diesem einzigartigen Projekt dazu beiträgt, der Präventionsarbeit zu HIV und anderen sexuell übertragbaren Krankheiten neue und wichtige Impulse zu geben. Vor allem aber danke ich den zahlreichen haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Kampagne und der Aidshilfe NRW für ihr großartiges und langjähriges Engagement! Ich freue mich auf unsere weitere Zusammenarbeit im Bereich Prävention und für die Menschen mit HIV und Aids.

Barbara Steffens
Ministerin für Gesundheit, Emanzipation,
Pflege und Alter des Landes Nordrhein-Westfalen

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