Sex ohne Anlauf – und ohne Safer Sex?

Das Online-Profil ist wie eine Visitenkarte im Netz: Es ist das erste, was ein Typ von dir zu sehen bekommt. Daher solltest du dir die Gestaltung und den Inhalt deines Profils gut überlegen. Mal ehrlich: Würdest du jemandem kontaktieren, in dessen Profil steht: "Ich weiß gar nicht, was ich hier hinschreiben soll"? Eben! Der Satz, den man in die Überschrift oder in die persönliche Beschreibung aufnimmt, kann noch so einfach sein. Hauptsache, es steht dort etwas anderes als "Mir fällt nichts ein"! Hier ein paar Anregungen und Tipps, um dich in deinem Online-Profil so interessant zu beschreiben, wie du bist.

Der erste Satz soll Lust auf dich machen!

Du brauchst kein Schiller oder Goethe zu sein, um ein bisschen was über dich zu erzählen. Sei auch nicht krampfhaft witzig. Picke lieber eine besondere Eigenschaft von dir heraus und sag dazu einen Satz. Und wenn in der Headline dann plötzlich so etwas Ungewöhnliches wie "Die beste Erfindung der Menschheit ist die Bratwurst" steht, ist das doch schon wunderbar! Denn diese Überschrift macht erst mal neugierig.

Von Filmzitaten und Songtexten lass' lieber die Finger! Was einem Millionenpublikum zugänglich und bekannt ist, ist nicht wirklich originell (von Urheberrechtsverletzungen einmal ganz abgesehen)! Was immer gut funktioniert: Direkt sagen, was man möchte. "Ich will 'nen Quickie, JETZT!" zeigt sehr deutlich, was du willst. Wer das gleiche sucht, wird sich melden, alle anderen werden dich in Ruhe lassen.

Vorsicht vor Humor (, den keiner witzig findet): "Schreib mir, ich beiße nicht!" Nur noch überboten von "Ich beiße nicht, außer, du willst es so (hihihi)". Es gibt mehrere tausend andere Profile, in denen versichert wird, dass keine Beißwut herrscht. Oft verkannt: Ein Chat ist ein Gespräch mit einem Fremden, der deinen Humor nicht kennt. Witz und Ironie nur aus dem geschriebenen Wort herauszulesen ist dann wirklich schwer. Außerdem: Viele Schwulen scheinen beim Login ihren Humor auszuschalten. Vielleicht drückt die Prostata auch einfach aufs Lachzentrum!?

Heb' dich von der Masse ab!

Generell gilt für die eigene Beschreibung: Nicht zu lang, nicht zu kurz, nicht zu zickig! Mitunter gibt es richtige Schreib-Junkies, die ihr Profil mit Text füllen, dass es aus allen Nähten platzt. Doch die wenigsten User haben Lust, eine halbe Stunde Zeit für ein Profil aufzuwenden und sich dabei den Finger wund zu scrollen. Das Internet ist ein schnelles Medium, in der Regel wird dir nur ein paar Sekunden Aufmerksamkeit zuteil, dann ist der Besucher schon wieder weiter. No-Gos sind deshalb Rilke-Gedichte, Shakespeare-Sonette, die gesammelten Lyrics von Jimmy Somerville oder Romanfragmente.

Zu kurz kommt ebenfalls nicht gut. "Ich suche dies und das", ist so unbestimmt, dass deinem Profilbesucher unwillkürlich ein Gähnen entfahren wird. Weitere Abturner sind "Ich weiß gar nicht, was ich schreiben soll" oder "Hier folgt bald weiterer Text, ganz bestimmt". Wenn du dein Profil eröffnest, solltest du dir im Vorfeld Gedanken gemacht haben, was du von dir preisgeben möchtest.

Sei eindeutig!

Auch wenn viele Portale bestimmte "Standardwerte" wie Hobbys, Interessen, Lieblingsmusik etc. per Multiple Choice abfragen, widerstehe der Versuchung, ALLES anzuklicken! Entweder du bist extrem vielseitig oder aber extrem entscheidungsscheu! Damit wirst du in den Augen der anderen User sehr beliebig und verwechselbar. Außerdem: Wenn du bei Lieblingsessen von asiatisch bis zypriotisch alle regionalen Küchen ankreuzt, könnte schnell der Eindruck entstehen, dass du bei deinem Gewicht gemogelt hast! :-)

Halt still – zumindest für's Foto!

Sei doch ehrlich: Ein Profil ohne Bild schaust du dir doch erst gar nicht an! Also, solltest auch du (mindestens) ein Bild von dir im Profil haben. Niemand wird sich als Ware begreifen wollen, dennoch läuft es bei den Dating-Portalen nicht anders als im Kaufhaus: Wer sein Angebot im besten Licht präsentiert, lockt die meisten Kunden an! Gute Fotos sind das A und O; sie sind wahrscheinlich sogar wichtiger als der Text. Schwule sind da einfach gestrickt. Sorry, wenn du jetzt desillusioniert bist. Andererseits: Ein Aufsehen erregendes Foto muss wahrlich kein Schwanz-Pic sein!

Der Frage, was denn ein interessantes Bild ist, kann man sich nähern, indem man beachtet, was einen selbst nervt. Die übelsten Fotosünden (und wie du es besser machst) haben wir hier für Dich zusammengestellt:

  •  Technisch sollten deine Bilder einen Mindeststandard erfüllen: Fotos sollten scharf sein (das Bild ebenso wie das Motiv!), verwackelte Bilder gehören in den (digitalen) Papierkorb, unter-/überbelichtete Fotos ebenso. Briefmarkengroße Bilder mögen vielleicht Daumenkino-Fans, der normale User möchte deine Bilder ohne Lupe anschauen können. Mit pixeligen Bildern (z. B. aus der Handy-Cam) oder offensichtlich eingescannten (Papier-)Bilder mit breitem Rand signalisierst du einzig und allein: Mit deinem Profil hast du dir keinerlei Mühe gegeben! Unwahrscheinlich, dass du dich um andere User mehr bemühst. Wer soll da noch Lust haben, dich kennen zu lernen?
  •  Auch kompositorisch gilt es, beim Profilbild einige Klippen zu umschiffen: Unschön sind abgeschnittene Gliedmaßen (Köpfe, Arme, Beine, ja, auch Schwänze). Es ist nachvollziehbar, dass mancher User anonym bleiben will und deshalb zwar seinen Körper zeigt, das Gesicht aber verbirgt. Die meisten "Schnittverletzungen" auf Profilbildern haben ihre Ursache jedoch in "zu kurzen Armen"! Wer seine Cam auf allen Bildern armweit von sich hält, zeigt nur, dass er noch nie etwas von einem Stativ gehört hat, keinen Selbstauslöser bedienen kann, ja, oder keinen Kumpel hat, der die Kamera bedienen kann! In die gleiche Kategorie fallen Bilder des eigenen Spiegelbildes. Gern kombiniert mit einem alles überblendenden Blitzlicht.
  • An Urlaubsbildern scheiden sich die Geister: Ein, zwei Bilder vom entspannten Badeurlaub sind o.K., nervig wird es, wenn dein Profil einem Reisekatalog ähnelt! Schnell entsteht der (arrogante) Eindruck: "Schaut her, wo ich schon überall war!"
  • Ähnliches gilt für Party-Bilder: Wenn Du immer nur mit der Pulle am Hals breit in die Kamera grinst, musst du dich nicht wundern, wenn niemand "ernsthafte Gespräche" mit dir führen will.
  •  Grundsätzlich musst du entscheiden, was du auf deinen Bildern von dir zeigst. Nur das Gesicht? Dann lächele freundlich, verbirg dein süßes Gesicht nicht (auf jedem Bild) hinter Sonnenbrillen oder unter Base-Caps und lass' auch mal Freunde aufs Bild schauen, ob das Lächeln wirklich so unwiderstehlich ist, wie du glaubst! Willst Du auch etwas nackte Haut zeigen, überlege vorher gut, wie viel du zeigen kannst/willst. Das Internet versteckt nichts: Was du online stellst, kann jeder sehen – auch deine Mutter, Arbeitskollegen oder (Personal-)Chefs! Wenn du unbedingt deinen Schwanz und nackten Arsch im Profil zeigen willst, dann sollte wenigstens nicht dein Gesicht auf dem gleichen Bild zu sehen sein. Dann ist's zwar immer noch dein Hintern, aber die Zuordnung zu deinem Gesicht (letztlich zu deiner realen Identität) ist dann zumindest nicht möglich.
  • Letztlich bieten einige Portale auch die Möglichkeit, Bilder "unsichtbar" in dein Profil hochzuladen. Diese sind für andere User verborgen, du kannst sie aber bei Bedarf gezielt an andere Jungs schicken, wenn du willst. So steht dein Gesicht/Schwanz nicht für alle sichtbar im Internet, und du hast dennoch die Möglichkeit deine "beste Seite" zu zeigen, wenn der andere sie sehen will!

 

Wer ficken will, muss freundlich sein!

Gezickt wird in der Community ganz gern, das zeigt sich leider auch in den Profilen. Wer mit wüster Publikumsbeschimpfung und Ausgrenzung startet ("Tunten, Fette, Spinner brauchen sich gar nicht melden!"), muss sich nicht wundern, wenn ihm niemand schreibt. Außerdem: Wer würde sich schon selbst als Spinner bezeichnen? Sage stattdessen, wen und was du suchst und womit man dich beeindrucken kann: "Suche Jungs bis 30 für Kino und Kneipe – cool, wenn du auf Baggy stehst!" Das ist klar und deutlich, ohne Leute zu verletzen, die nicht deinem Beuteraster entsprechen.

Gib (nicht) alles!

Wenn du dich bei einem Portal anmeldest, wollen die Betreiber eine Menge Daten von dir haben. Manche Angaben (Größe, Alter, Gewicht, sexuelle Orientierung, Vorlieben) erscheinen später öffentlich im Profil. Sei hier möglichst ehrlich. Es fällt auf, wenn du jahrelang 29 bleibst! Andere Angaben wie deine E-Mail-Adresse oder deine Wohnanschrift sind für die Nutzung der meisten Portale nicht erforderlich, werden aber von den Betreibern gerne eingefordert. In diesem Fall kannst du gerne deine Fantasie spielen lassen: Du darfst also ruhig "Schlum Pumpel" heißen und in der "Gruhumpfkrxlstraße" in "Tuntenhausen" wohnen.

Wird dir zur Anmeldebestätigung eine E-Mail zugesendet, sollte die Adresse natürlich echt sein. Um anonym zu bleiben, kannst du dir bei vielen Providern (z. B. hotmail.com oder web.de) kostenlose E-Mail-Konten einrichten, die z. B. deinen Profilnamen ("nick") beinhalten.

Aber Achtung: Nicht dass du nun denkst, du bist so gut getarnt, dass du hemmungslos zu Mord und Totschlag aufrufen oder sonstige kriminelle Handlungen starten kannst. Im polizeilichen Ermittlungsfall bist du immer ermittelbar. Sobald du dich ins Netz eingeloggt hast, hinterlässt du Spuren.

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