Infos zur Herpes-Infektion

Die durch engen Kontakt, beim Sex, durch Tröpfchen- und Schmierinfektion sowie unter der Geburt übertragbaren Herpes-simplex-Viren (HSV) führen vor allem an den Lippen sowie im Genital- und Analbereich zu Bläschen und Geschwüren (Ulzera). Die Inkubationszeit liegt im Durchschnit bei wenigen Tagen bis einer Woche.

Nach der Erstinfektion kann das Virus immer wieder reaktiviert werden, eine Entfernung aus dem Körper ist nicht möglich. Eine Impfung gegen HSV-Infektionen gibt es nicht.

In Deutschland sind etwa 90% der erwachsenen Bevölkerung mit HSV-1 und ca. 15% mit HSV-2 infiziert. Herpes-Erstinfektionen an Lippen und Mund (meist HSV-1) erfolgen meist bereits in der Kindheit (Geburt, Kuss, Tröpfcheninfektion, Schmierinfektion). Herpesinfektionen am Genital (meist HSV-2) treten eher als sexuell übertragene Infektion auf.

Erreger

Das Herpes-simplex-Virus (HSV) befällt vor allem die Haut und Schleimhaut, das zentrale Nervensystem und die Augenhorn- und -bindehaut, bei schweren Verläufen auch das Gehirn bzw. die Hirnhaut und andere Organe (Lunge, Leber).

Man unterscheidet Typ 1 (HSV-1), der häufig schon im Säuglings- und Kindesalter auftritt und bei Erwachsenen weit verbreitet ist, vom Typ 2 (HSV-2), der meist erst nach Aufnahme sexueller Beziehungen, manchmal aber auch unter der Geburt von der Mutter auf das Kind übertragen wird und dann lebensbedrohlich ist.

HSV-1 gilt als "Lippenherpes" (Herpes labialis), HSV-2 als "Genitalherpes" (Herpes genitalis), wobei allerdings bis zu 30% der analen bzw. genitalen Herpes-Infektionen von HSV-1 verursacht werden und sich HSV-2 z. B. beim Oralsex auch auf Mund und Rachen ausbreiten kann. Häufig liegen auch beide Virustypen vor.

Übertragungswege und Infektionsrisiken

Herpesviren werden vor allem über die hochinfektiöse Flüssigkeit aus den Bläschen übertragen, entweder durch direkten Kontakt (z. B. Küssen) oder durch Tröpfchen- oder Schmierinfektion (Husten, Niesen, gemeinsames Benutzen eines Glases usw.). Eintrittspforten können kleine Verletzungen der Haut sowie die Schleimhäute von Mund, Genital, Darm oder Auge sein. Beim Vorliegen von Bläschen oder Geschwüren ist die Zahl der Viren und damit auch die Ansteckungsgefahr besonders hoch. Die Viren können aber auch über die Schleimhäute (z. B. in der Vagina oder im Mund) ausgeschieden werden, ohne dass Symptome sichtbar sind.

Beim Sex können HSV-1 und HSV-2 auch auf andere Regionen oder von Partner zu Partner übertragen werden, z. B. vom Mund auf die Genitalien oder den Anus, vom Penis auf den Mund-Rachen-Raum oder vom Anus eines Partners auf den Enddarm eines anderen Partners. Durch Schmierinfektion können die Viren außerdem in die Augen gelangen und dort zu einer Hornhautentzündung führen.

Schutzmöglichkeiten und Impfung

Kondome mindern das Risiko für einen genitalen Herpes nur sehr begrenzt, denn HSV wird sehr leicht auch beim Küssen, beim Oralverkehr oder durch Berührung übertragen. Der Kontakt mit Bläschen oder Geschwüren sollte möglichst vermieden werden; ist er doch erfolgt, sollte man im Anschluss die Hände waschen.

Ein Impfstoff gegen HSV-2-Infektionen ist in der letzten Phase der klinischen Entwicklung. Da er sich bei Männern als unzureichend wirksam erwiesen hat, wird er lediglich bei Mädchen und jungen Frauen eingesetzt werden. Der Impfstoff wirkt voraussichtlich nur dann, wenn bislang noch keine Infektion stattgefunden hat, und wird auch keinen vollständigen Schutz bieten.

Symptome und Krankheitsverlauf

Die Erstinfektion kann völlig symptomlos verlaufen oder aber mit Fieber, Schüttelfrost und Lymphknotenschwellungen einhergehen. Typisch sind kleine, gruppiert stehende Bläschen mit wässrigem Inhalt ("Fieberbläschen"), die nach wenigen Tagen in flache Geschwüre (Ulzera) übergehen. Je nach Lokalisation als "Mundfäule" (meist bei Erstinfektion im Kleinkindalter mit Bläschen im Mund), Lippen- oder Genitalherpes oder an anderen Hautstellen (z. B. Schenkel, Gesäß, Naseneingang, Wangen, Ohrläppchen).

Die Geschwüre heilen innerhalb von zwei bis drei Wochen ab. Danach "ruhen" die Viren lebenslang in bestimmten Nervenzellen (Ganglien), können aber bei geschwächtem Immunsystem bzw. durch bestimmte Auslöser (z. B. Infektionskrankheiten, starke Sonneneinstrahlung, Stress, Menstruation, Schwangerschaft, Verletzungen) immer wieder zu Beschwerden führen.

Die ersten Anzeichen sind meist Brennen, Jucken, ein Spannungsgefühl oder gerötete Haut, bevor die typischen Bläschen erscheinen. Diese platzen nach wenigen Tagen auf und hinterlassen flache, schmerzhafte Geschwüre, die innerhalb von etwa zwei Wochen abheilen. Eine HSV-1-Infektion hinterlässt keine Immunität gegen HSV-2 und umgekehrt. Man kann sich also mit beiden Erregern infizieren.

  • Genitalherpes betrifft beim Mann die Eichel, die Vorhaut und den Penis-schaft und auch den Analbereich. Mögliche Symptome sind Probleme beim Wasserlassen und blutiger Ausfluss aus dem After.
  • Greift eine Infektion aufs Auge über, kann es zur Entzündung und zu Vernarbungen der Hornhaut mit Verminderung der Sehkraft kommen.
  • Herpes-simplex-Viren können zu einer gutartigen und von selbst ausheilenden Hirnhautentzündung (Herpes-simplex-Meningitis) mit Nackensteife, Kopfschmerzen und Lichtempfindlichkeit führen. In seltenen Fällen kann es auch zu einer lebensbedrohlichen Gehirnentzündung (Herpes-Enzephalitis) kommen, die sich in starken Kopfschmerzen, Sprachstörungen, Krampfanfällen und Wesensveränderungen äußert.
  • Bei bereits geschädigter Haut (z. B. durch Neurodermitis) kann sich eine Herpes-Infektion über große Bereiche ausdehnen.

Info+ Bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem (z. B. infolge einer HIV-Infektion oder einer Chemotherapie) kommt es zu häufiger zum Wiederauftreten eines Herpes sowie zu ungewöhnlichen und schwereren Verläufen, z. B. mit großflächigen Ekzemen, Gehirnhaut- oder Gehirnentzündung oder einem Befall innerer Organe. Chronische Geschwüre, die länger als einen Monat bestehen, oder eine Bronchitis, Lungenentzündung oder Speiseröhrenentzündung infolge einer Herpes-simplex-Infektion sind eine Aids definierende Erkrankung.

Info+ Die Schleimhaut von Eichel, Vorhaut, Darm und auch Mund verliert durch Herpesgeschwüre ihre Barrierefunktion gegen HIV. Außerdem wandern Lymphozyten und Langerhans-Zellen in das Entzündungsgebiet ein, die Zielzellen von HIV darstellen. Dadurch erhöht sich das Risiko, sich beim Sex mit HIV zu infizieren.

Info+ Bei HIV-Positiven enthalten die Herpesbläschen an Penis, am Anus, im Darm oder am/im Mund große Mengen HIV. Die Ansteckungsgefahr für andere erhöht sich.

Diagnose

Die Diagnose der Herpesinfektion wird zumeist aufgrund des typischen klinischen Bildes gestellt (Blickdiagnose). Klarheit können auch die mikroskopische Untersuchung des Bläscheninhalts oder Blasenbodens oder ein Genomnachweis geben. Serologische Untersuchungen (Antikörperbestimmung im Blut) können bei speziellen medizinischen Fragestellungen eine Rolle spielen.

Therapiemöglichkeiten

Bei gutem Immunstatus und eingegrenztem Befall kann eine Lokalbehandlung mit pflegenden oder austrocknenden Mitteln ausreichen. Virushemmende Mittel (Virustatika) wie Aciclovir können den Krankheitsverlauf verkürzen und die Beschwerden mildern, wichtig ist, sie schon bei den ersten Anzeichen eines Ausbruchs anzuwenden. Bei schweren Verläufen werden Virustatika meist über sieben Tage systemisch (als Tablette oder intravenös) verabreicht. Bei häufigen Rezidiven besteht die Möglichkeit einer Dauerprophylaxe mit niedrig dosierten Herpes-Medikamenten.

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