Infektionen mit den leicht übertragbaren Humanen Papilloma-Viren (HPV) gehören weltweit zu den häufigsten STDs. Erreger sind Humane Papilloma-Viren (HPV), von denen mehr als 100 Subtypen bekannt sind, sie dringen durch winzige Läsionen in Haut und Schleimhäute des Menschen ein.
HPV-Infektionen gehören zusammen mit Gonorrhö, Chlamydien-Infektionen und Trichomoniasis zu den weltweit häufigsten sexuell übertragenen Infektionen. Bei Menschen zwischen 20 und 25 Jahren ist die Prävalenz und Inzidenz von HPV-Infektionen am größten. Man kann sich mehrmals mit demselben Subtyp, aber auch gleichzeitig mit verschiedenen Typen infizieren. Schätzungsweise 60–80 % der sexuell aktiven Erwachsenen haben Antikörper gegen HPV im Blut. Das heißt, ihr Immunsystem hat sich schon mit mindestens einem HPV-Subtyp auseinandergesetzt. Die meisten HPV-Infektionen verschwinden innerhalb von 18–24 Monate wieder. Ist HPV länger nachweisbar, spricht man von Persistenz.
Nach einer HPV-Infektion mit "Feigwarzen-Typen" kann es Wochen bis Monate dauern, bis sich auch infizierten Zellen Feigwarzen entwickeln. Bis sich auf dem Boden einer persistierenden HPV-Infektion ein Karzinom bildet, vergehen meist fünf bis zehn Jahre.
Einige HPV-Typen rufen Feigwarzen an den Genitalien, am Anus und (seltener) im Mund hervor. Eine Reihe von HPV-Typen ist maßgeblich an der Entstehung von Karzinomen beteiligt, v. a. am Gebärmutterhals und am Anus, aber auch an den Schamlippen und am Penis.
Einige HPV-Typen rufen Feigwarzen an den Genitalien, am Anus und (seltener) im Mund hervor. Da Feigwarzen leicht übersehen werden, ist ihre tatsächliche Häufigkeit unbekannt. Man schätzt, dass in den USA und in Europa bei etwa fünf Prozent der sexuell aktiven Erwachsenen zwischen 15 und 45 Jahren Feigwarzen nachgewiesen werden können. Am häufigsten treten Feigwarzen zwischen dem 20. und 24. Lebensjahr auf. Bei Menschen mit HIV kommen Feigwarzen deutlich häufiger vor als bei HIV-Negativen.
Info+ Bei Menschen mit HIV kommt es häufiger zu Infektionen mit mehreren HPV Typen sowie zu einer Persistenz der Infektion. Ferner sind HIV-positive Menschen zwei- bis sechsmal häufiger von analen HPV-Infektionen betroffen, und zwar unabhängig vom Geschlecht und den ausgeübten Sexualpraktiken.
Eine Reihe von HPV-Typen ist maßgeblich an der Entstehung von Karzinomen beteiligt, v. a. am Gebärmutterhals und am Anus, aber auch an den Schamlippen und am Penis. Am deutlichsten ist der Zusammenhang beim Gebärmutterhalskrebs: Bei seiner Entstehung sind in nahezu 100% der Fälle Humane Papilloma-Viren beteiligt (bei etwa 50% Subtyp 16, bei 20% Subtyp 18, die restlichen 30% entfallen auf mindestens zwölf weitere Subtypen, z. B. 31, 33 oder 45). Bei Analkarzinomen wird HPV in etwa 90 % der Fälle als Ursache angesehen, bei Penis- und Vulvakarzinomen in etwa 40%, bei Karzinomen des Mund- und Rachenraumes in ca. 12% der Fälle.
Analkarzinome sind im Allgemeinen sehr selten; jährlich erkrankt lediglich eine von 100.000 Personen daran. Bei Menschen mit HIV treten Analkarzinome nach vorsichtigen Schätzungen ca. 35- bis 40-mal häufiger auf als im Durchschnitt der Bevölkerung.
Peniskarzinome sind im Allgemeinen ähnlich selten wie Analkarzinome (jährlich etwa eine Erkrankung auf 100.000 Personen).
Impfungen vor der Aufnahme sexueller Kontakte bieten einen guten Schutz vor pathogenen HPV-Typen, die Regelungen zur Kostenübernahme können je nach Krankenkasse unterschiedlich sein. Allerdings ersetzt eine Impfung nicht die regelmäßige Früherkennungsuntersuchung (PAP-Test, siehe unter Diagnose), da der Impfstoff 30 % der Hochrisiko-Typen von HPV nicht abdeckt.
Kondome reduzieren das Risiko angesichts der leichten Übertragbarkeit von HPV nur sehr bedingt. Ihre Schutzwirkung ist höher, wenn der eindringende Anal- oder Oralverkehr beim Sex die einzige übertragungsrelevante Praktik darstellt (z. B. bei sexuellen Dienstleistungen). Eine frühzeitige Entfernung von Feigwarzen verringert das Ansteckungsrisiko für andere.
Zusätzlich zu den präventiven Impfstoffen werden therapeutische Impfstoffe für bereits HPV-infizierte Personen entwickelt; Ziel einer solchen Impfung ist, den Erkrankungsprozess aufzuhalten bzw. die Infektion zu heilen.
Eine HPV-Infektion mit "Feigwarzen-Typen" führt nicht in allen Fällen zu Feigwarzen, und persistierende Infektionen mit "Hochrisiko"-Typen von HPV führen nur selten zu Karzinomen.
Feigwarzen sind kleine, spitze Warzen, die sich aus Hautpapeln entwickeln und beim größer Werden eine zerklüftete ("blumenkohlartige") Oberfläche aufweisen. Sie treten meist im Übergangsbereich zwischen Haut und Schleimhaut auf, vor allem in der Region des Anus sowie in der Umschlagfalte der Vorhaut. Auch kleine Wunden im Genitalbereich (zum Beispiel nach Intimrasur oder Piercings) können betroffen sein. Feigwarzen selbst verursachen keine Schmerzen, können aber zu Analekzemen mit erheblichem Juckreiz führen. In der Regel harmlos, stören aber manchmal aus ästhetischen, hygienischen oder mechanischen Gründen (z. B. durch Schmerzen beim Analverkehr). Sie können auch flächig zusammenwachsen oder sich zu großen Geschwulsten auswachsen (sog. Buschke-Löwenstein-Tumoren).
Info+ Bei Menschen mit HIV treten Feigwarzen häufiger auf, und sie sind hartnäckiger als bei HIV-Negativen. Außerdem kommen Feigwarzen bei ihnen häufiger auch in der Mundhöhle vor.
Feigwarzen können spontan – also ohne Therapie – wieder verschwinden. In seltenen Fällen entsteht aus Feigwarzen heraus ein Karzinom; wahrscheinlich liegt dann eine zusätzliche Infektion mit einem HPV-Stamm vor, der Karzinome hervorruft.
Eine Untersuchung auf HPV selbst (ohne dass Feigwarzen auftreten) wird nicht empfohlen, da ein positiver Befund keine therapeutischen Konsequenzen hätte.
Die Diagnose der Feigwarzen erfolgt in der Regel durch durch Augenschein (Lupe) und Tasten. Das Rektum sollte mittels Anoskop bzw. Proktoskop (Darmspiegelung) untersucht werden. Wichtig ist die Unterscheidung von Kondylomen, die als Symptom einer Syphilis auftreten (Condylomata lata = breite Kondylome).
Um festzustellen, ob zusätzlich zu den Feigwarzen eine Krebsvorstufe vorliegt, kann chirurgisch entferntes Feigwarzen-Gewebe zur feingeweblichen Untersuchung eingeschickt werden. Dabei kann man auch prüfen, welche Subtypen des Virus vorliegen.
Info+ Menschen mit HIV sollten sich mindestens einmal jährlich auf Vorstufen von Analkarzinomen untersuchen lassen. Einige HIV-Zentren und Schwerpunktpraxen bieten neben der üblichen Proktoskopie oder Anoskopie auch die Untersuchung eines Abstrichs aus dem Analkanal zur Früherkennung von Vorstufen des Analkarzinoms an (ähnlich einem Abstrich beim PAP-Test).
Eine antivirale Therapie gegen HPV gibt es nicht. Feigwarzen kann man mit verschiedenen Methoden behandeln, doch kann keines der Verfahren eine vollständige Entfernung garantieren oder dauerhaft einen warzenfreien Zustand erhalten. Auch nach zunächst erfolgreicher Therapie kommt es sehr häufig erneut zur Warzenbildung (Rezidiv). Nach Abschluss einer Behandlung empfiehlt sich daher eine engmaschige Erfolgskontrolle (zunächst alle sechs Wochen).
Bei gut erreichbaren Kondylomen können die Betroffenen selbst immunmodulatorische Cremes (von manchen Apotheken auch in Zäpfchenform für die rektale Anwendung angeboten) bzw. virostatisch wirkende Lösungen oder Cremes auftragen. Kleine Feigwarzen kann man auch vereisen (Kryotherapie), mit Trichloressigsäure behandeln oder lasern, größere chirurgisch entfernen (Elektrokauter, Laser, Skalpell). Bei der photodynamischen Therapie dient ein Farbstoff als Photosensibilisator, der die Feigwarzen empfindlich gegenüber Licht einer bestimmten Wellenlänge macht und sie bei Bestrahlung durch Bildung eines Zellgifts zerstört.
Vorstufen des Analkarzinoms (AIN, anale intraepitheliale Neoplasien) werden oberflächlich abgetragen bzw. zerstört, z. B. mit einem Elektrokauter oder durch Infrarotkoagulation. Auch unter der Behandlung mit immunmodulatorischen Cremes oder Zäpfchen können sich Vorstufen wieder zurückbilden. Anders als bei einer AIN erfolgt bei einem Analkarzinom meist eine chirurgische Entfernung, ggf. in Kombination mit einer Strahlen- und einer Chemotherapie. Durch die Operation kann die Funktionsfähigkeit des Schließmuskels beeinträchtigt werden, bei ausgeprägtem Befund und umfangreichem Eingriff muss unter Umständen ein künstlicher Darmausgang gelegt werden.
Auch Vorstufen des Peniskarzinoms (PIN, penile intraepitheliale Neoplasien) kann man mit den oben beschriebenen Methoden entfernen. Für die Behandlung von Peniskarzinomen sollte man eines der wenigen spezialisierten Zentren aufsuchen, da in nicht spezialisierten Krankenhäusern häufiger unnötig eine Amputation durchgeführt wird.
Immunmodulatorische Cremes oder Zäpfchen führen zu einer ausgeprägten Entzündung des betroffenen Gewebes. Während der Heilungsphase sollte daher auf sexuelle Aktivitäten verzichtet werden, welche die betroffenen Stellen einbeziehen. Entsprechendes gilt für die Heilungsphase nach chirurgischen Eingriffen, auch, um ein Wiederaufreißen der Wunden zu vermeiden.
Rauchen scheint ein wichtiger Kofaktor bei der Entstehung von Karzinomen auf dem Boden einer persistierenden HPV-Infektion zu sein. Bei Feststellung von Krebsvorstufen sollte das Rauchen daher möglichst eingestellt werden.