Mach's Dir selbst!

PrEP ist zur HIV-Prävention seit Herbst 2016 EU-weit zugelassen, eine Kostenübernahme wird von den Krankenkassen aber abgelehnt. Wenn du PrEP machen willst, kannst du vorerst nur selbst in die Spur gehen und musst das auch selbst bezahlen. Das finden wir nicht super, Informationen zu dieser Möglichkeit sind aber im Moment der einzige Weg, PrEP zu verbreiten.

Damit PrEP für die oder den Einzelnen überhaupt bezahlbar wird, ist man auf billigere Generika des Medikaments Truvada® angewiesen (und auch die können sich nicht alle leisten).

Generika (Mehrzahl von Generikum) nennt man Arzneimittel, die wirkstoffgleiche Kopien eines bereits auf dem Markt befindlichen Medikaments sind. PrEP-Medikamente werden als Lizenzprodukte des Original-Herstellers Gilead für die Märkte außerhalb der westlichen Industrienationen hergestellt. Unter bestimmten Bedingungen kann man diese deutlich billigeren Generika selbst einführen.

Um dabei rechtlich auf der sicheren Seite zu sein, gilt es, einiges zu beachten. Dafür haben die lovelazers ein paar Infos zusammengetragen. Wir fordern niemanden zu irgendetwas auf, schon gar nicht, gesetzliche Bestimmungen zu umgehen. Gleichwohl wollen wir, dass möglichst viele Menschen in den Genuss von PrEP kommen: Wir raten dazu, sich dabei an geltende Bestimmungen zu halten.

Zunächst etwas Grundsätzliches: Selbst besorgte Medikamente ausschließlich mit ärztlicher Begleitung einnehmen! Lass dir ein Rezept für PrEP verschreiben und stell dich dann regelmäßig bei dein*er Ärzt*in vor. Am besten bist du mit PrEP bei einer HIV-Schwerpunktpraxis oder Ärzt*innen aufgehoben, die bereit sind, sich in die Materie einzuarbeiten. Auch Community-Projekte werden ärztliche PrEP-Begleitung zunehmend anbieten. Verordnen dürfen PrEP grundsätzlich alle Ärzt*innen. In der Schweiz kann PrEP nur “Off Label” (außerhalb der eigentlich zugelassenen Verschreibung) verordnet werden.

An dieser Stelle einen ganz herzlichen Dank an lovelazers.org für die Bereitstellung der Texte und Aufarbeitung der Informationen zur PrEP.

Vorab: Testen!

Ein HIV-Test ist am Anfang unabdingbar: anonym und kostenlos beim Gesundheitsamt oder bestimmten Community-Projekten. Geht auch in der ärztlichen Praxis deines Vertrauens. Ein Schnelltest kostet dort 15 EUR und hat den Vorteil, dass deine Krankenkasse nicht erfährt, dass du einen Test gemacht hast. Wir können im Internet bestellte Schnelltests nicht empfehlen. Die Qualitätsstandards sind nicht so hoch. Zudem bist du mit deinem Testergebnis völlig auf dich allein gestellt.

Der HIV-Test sowie auch ein Test auf Hepatitis B vorab sind deshalb wichtig, weil die PrEP-Wirkstoffe auch zur Therapie beider Infektionen eingesetzt werden. Sie müssen dann anders eingenommen werden.

Am besten gleich noch Impfung gegen Hep A/B auffrischen, falls nötig (bezahlt die Krankenkasse für Männer, die Sex mit Männern haben).

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Später: Regelmäßig Testen!

Danach (alle drei Monate): HIV-Test machen und Kreatininwert bestimmen lassen (um die Nierenfunktion zu überprüfen) und testen auf STIs (Sexual Transmitted Infections, also auf sexuell übertragbare Infektionen). Und zwar nicht nur per Blutentnahme auf Hep C und Syphilis, sondern auch durch Abstriche auf Chlamydien und Tripper (oral, rektal, und Harnröhre – der Abstrich in der Harnröhre kann durch einen Urintest ersetzt werden). Den Wirkstoffspiegel von Truvada® in deinem Blut zu bestimmen, ist nicht sinnvoll, da die Ergebnisse wenig aussagekräftig (und dabei noch ziemlich teuer) sind.

Eigentlich musst du die meisten dieser Leistungen (und die ärztliche Beratung) privat bezahlen. Wahrscheinlich kann davon dennoch einiges bei deiner Krankenkasse abgerechnet werden. Frag einfach nach!

Merkzettel: alle drei Monate testen auf

  • HIV
  • STI (inklusive Abstriche)
  •  Kreatinin

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Welche Generika gibt es?

Es gibt verschiedene, mit Lizenz vom kalifornischen Original-Hersteller Gilead hergestellte Truvada-Generika weltweit. Tenvir EM® (Hersteller Cipla aus Indien), Tavin EM® (Hersteller Emcure) und Ricovir EM® (Hersteller Mylan) sind auf dem globalen Markt verfügbar. Alle drei Präparate wurden 2016 in Großbritannien unabhängig untersucht. Bisher ist nicht bekannt geworden, dass Präparate gefälscht, in minderer Qualität oder gar komplett ohne Wirkstoff aufgetaucht wären.

Zu den Präparaten Teno EM® (von der staatlichen Firma GPO Thailand), Tenof EM® (Hetero Labs Indien) und Adco-Emtevir® (Pharmacare Südafrika) sind uns keine unabhängigen Messungen der Wirkstoffkonzentration bekannt. Sie wirken sicherlich einwandfrei, da sie von Millionen HIV-Infizierten seit Jahren als Therapie eingenommen werden. Es gibt noch weitere Generika, zu denen uns Informationen momentan nicht ausreichend vorliegen.

Im nächsten oder schon in diesem Jahr werden durch das Auslaufen des Truvada®-Patentes auch hierzulande Generika in Apotheken erhältlich. Die Preise werden deutlich sinken, aber für die meisten wohl unerschwinglich bleiben.

Ob Ricovir EM® eine gute Wahl für PrEP ist, muss jede*r selbst entscheiden: Der multinational agierende Pharmakonzern Mylan verdient (trotz Protesten) auch am Verkauf von Mitteln für Exekutionsspritzen (zum Vollzug von Todesstrafen z.B. in den USA).

“EM” bedeutet übrigens, dass der Wirkstoff Emtricitabin enthalten ist. Ohne diesen Zusatz handelt es sich um Monopräparate mit nur einem Wirkstoff (Tenofovir), die für eine PrEP nicht ausreichen. Also immer unbedingt auf diese Angabe achten!

Die Preise für drei Monatspackungen (3 x 30 Tabletten) liegen bei den verschiedenen Online-Apotheken etwa zwischen 150 und 250 EUR  (meist incl. Versandkosten). Zum Vergleich: Eine Monatspackung Truvada® kostet hier in der Apotheke 820EUR/900SFr (Stand Januar 2017).

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Viele Wege ...: Mitnahme im Reisegepäck

Das Mitbringen von Medikamenten ist für den Eigenbedarf ausdrücklich erlaubt. Die eingeführte Menge darf den Bedarf für drei Monate aber nicht überschreiten. Du kannst also ohne Probleme drei Packungen Truvada® oder dessen Generika au dem Urlaub mitbringen, wenn es für Dich selbst bestimmt ist. Das Bundesgesundheitsministerium schreibt dazu auf seiner Website:

„Reisende dürfen Arzneimittel bei der Einreise nach Deutschland in einer dem üblichen persönlichen Bedarf entsprechenden Menge mitführen (§ 73 Absatz 2 Nr. 6 oder 7 AMG). In diesem Fall ist weder eine Einfuhrerlaubnis nach Deutschland noch eine Zulassung oder Registrierung der jeweiligen Arzneimittel für Deutschland erforderlich. Unerheblich ist auch, ob es sich um verschreibungspflichtige und apothekenpflichtige Präparate handelt oder nicht.

Als ,üblicher persönlicher Bedarf‘, der bei der Einreise mitgeführt werden darf, ist in der Regel ein Bedarf von maximal drei Monaten, unter Berücksichtigung der Dosierungsempfehlung für das jeweilige Arzneimittel, anzusehen. Hinweise hierzu enthalten die Packungsbeilage/Fachinformation des jeweiligen Arzneimittels.“ (Quelle: bundesgesundheitsministerium.de)

Die Präparate kann man sich vorher im Ausland kaufen. In Indien geht das z.B. mit Rezept in der Apotheke. Drei Monatspackungen kosten hier zusammen nur ca. 85 EUR. In Thailand muss man sich in speziellen Praxen vorstellen (siehe dafür z.B. testbkk.org). Sich vor Abreise genau zu erkundigen, beschleunigt den Ablauf. Ein Rezept, ein aktuelles HIV-Testergebnis und Befunde der letzten Nierenwerte sind schriftlich vorzulegen oder müssen vor Ort beschafft werden.

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Viele Wege ...: Zusenden von privater Adresse aus dem Ausland

In Deutschland ist es bis auf wenige Ausnahmen nicht erlaubt, sich Medikamente über eine ausländische Online-Apotheke per Post schicken zu lassen. Die Pakete werden stichprobenartig vom deutschen Zoll kontrolliert. Die Ware wird dann konfisziert (das Geld ist also futsch), und es fällt mindestens eine Strafgebühr an.

Das geht aber in andere Länder wie nach Australien, Großbritannien, Chile, Israel, Kolumbien, Neuseeland, Singapur, in die Schweiz und die USA (und das ist dann fürs persönliche Mitbringen auch interessant). Wegen zoll- und patentrechtlicher Probleme liefern die Anbieter nicht in andere EU-Länder als UK.

Manche haben Bekannte in den aufgeführten Ländern. Sie lassen sich die Medikamente dann von dort mitbringen oder nehmen sie bei einem Besuch selbst mit (s.o.). Das Zusenden von einer privaten Adresse ist jedoch nur aus einem EU-Land erlaubt (solange keine gewerbsmäßigen Interessen im Spiel sind):

“Nicht gewerbsmäßiges Versenden durch Privatpersonen: Arzneimittel, die in einem anderen EU-Mitgliedstaat legal gekauft werden und die Sie sich von einer Privatperson ohne gewerbs- oder berufsmäßige Vermittlung in einer dem üblichen persönlichen Bedarf entsprechenden Menge schicken lassen, können Sie auf dem Postweg erhalten.” Weitere Infos unter zoll.de.

Und deshalb nutzen so viele den Weg über Großbritannien. Die patentrechtlichen Regelungen erlauben es dort, sich drei Monatspackungen legal zuschicken zu lassen, weil das als persönlicher Bedarf gilt. Der britische Zoll verlangt dafür eine Einfuhrsteuer von ca. 35£ (etwa 40 EUR) für die angegebene Menge (wird aber meist nicht erhoben). Der private Weiterversand innerhalb des europäischen Binnenmarkts (also in die EU) ist dann unkompliziert, wenn er privat deklariert wird.

Von der britischen Seite www.iwantprepnow.co.uk und der australischen Seite prepaccessnow.com.au gelangt man auf verschiedene Bestellseiten. Die meisten User nutzen derzeit alldaychemist.com als Versandapotheke. Zum Bestellen wird hier ein Rezept und eine VISA-Karte benötigt. Bestellungen werden hier auch mit Vorkasse (Überweisung) ausgeliefert. Online-Apotheken liefern Generika meist innerhalb von einer Woche. Der Anbieter purchase-prep.com versendet auch in die Schweiz. Der Markt für den Onlineversand von PrEP-Medikamenten ist dynamisch und unübersichtlich. Bei der Bestellung bei unbekannten Apotheken ist die Gefahr des Betrugs hoch.

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Viele Wege ...: Zusenden mithilfe eines Weiterversenders

Für manche der einzige Weg, an erschwingliche Medikamente zu kommen: Sie bestellen bei einer Online-Apotheke und geben dabei die Lieferadresse eines Paketweiterleitungsdienstes in Großbritannien an. Das ermöglicht, auf Websites zu bestellen, die nur in bestimmte Länder liefern. Die Dienstleister nehmen die Lieferungen dann entgegen und schicken sie weiter in das Land, aus dem der Auftrag kommt. Die Kosten setzen sich aus  Steuern und Zollabgaben sowie den Versandgebühren zusammen. Letztere belaufen sich um die 20 EUR für ein Paket mit 3 Monatspackungen. “Borderlinx” ist z.B. solch ein Anbieter. Eine Übersicht weiterer kommerzieller Anbieter findet sich hier: www.paketweiterleitung.com.

Man richtet sich dazu ein Benutzerkonto incl. Login/Passwort ein und erhält dann eine Postfachadresse, mit der man sich die Ware auf den Seiten der Online-Apotheken nach Großbritannien bestellen kann. Man wird über das Eintreffen per E-Mail sofort informiert und bekommt das Paket dann mit neuem Etikett weiter an eine private Adresse im Bestimmungsland geschickt. Ein weiterer Service ist das Zusammenlegen von Sendungen, um Einfuhrsteuern/Versandkosten zu sparen. Anhand der Tracking-Nummer kann man die Sendung zu jedem Zeitpunkt verfolgen.

Da man sich eben keine apothekenpflichtigen Medikamente kommerziell per Post in die Schweiz oder die BR Deutschland schicken lassen darf, ist das Einschalten eines Weiterversenders nicht erlaubt.

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Warten auf Studien

Zeitlich begrenzt, aber eine weitere Möglichkeit PrEP zu machen, sind Studien. Hier gibt’s die Medikamente aus erfahrener Hand und parallel Überwachung Deiner Gesundheit dazu. Der Zugang ist kostenlos und sehr oft auch für Leute offen, die keine Krankenversicherung (und mglw. auch keinen legalen Aufenthaltsstatus) haben. Allerdings heißt “Studie”, dass die Wirksamkeit der zu prüfenden Substanz noch nicht nachgewiesen ist. Es bleibt hier ein gewisser Unsicherheitsfaktor, ob PrEP genauso gut funktioniert, wie bei bisherigen Verfahren. Aus ethischen Gründen dürfen aber keine Placebos (zum Vergleich äußerlich gleich aussehende Präparate ohne Wirkstoff) verabreicht werden. In die Vorbereitung von Studien sollten außerdem Community-Vertreter*innen einbezogen werden.

Konkret wissen wir von einer Studie zum Vergleich Truvada® – Descovy® des Herstellers Gilead, die im Februar 2017 anlaufen soll. Ob Descovy® überhaupt als PrEP funktioniert, dafür liegen noch keine Daten vor. Wir halten diese Studie deshalb nicht geeignet für Menschen, die auf PrEP angewiesen sind (also z.B. Menschen, die keine Kondome benutzen).

In der Schweiz sind Studien mit der Abgabe von PrEP-Substanzen sowie die Zulassung von Truvada® durch den Hersteller unseres Wissens leider nicht geplant.

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Weitere Wege ...

Darüber hinaus berichten uns Leute, dass sie Truvada® über HIV-positive Bekannte bekommen, die z.B. gerade einen Therapiewechsel machen und noch ein paar Packungen Truvada® übrig haben. Es wird inzwischen auch von manchen Dealern mit angeboten. Und wir hören immer wieder, dass Leute sich eine PEP (ohne r) in der Notaufnahme verschreiben lassen, um lediglich die Komponente Truvada® als PrEP zu nehmen. Medikamente aus dem Schrank deine*r Bekannten abzuzweigen, wäre vollkommen verantwortungslos. All das ist natürlich auch nicht legal.

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PrEP now!

Da die meisten von uns nicht sehr sehr reich sind, nicht alle als Pharmavertreter*innen arbeiten oder Chemie studieren können, um sich PrEP selbst zu synthetisieren, der Einbruch in den Pharmagroßhandel auch keine Lösung ist und die Love Lazers nicht die Robin Hoods der Arzneimittel sind, bleibt nur eins: sich zusammen für eine Kostenübernahme von PrEP einzusetzen. Sei es als Leistung der Krankenkassen (in den USA und anderen Ländern geht das ja auch und die Kosten einer PEP werden hierzulande ja schließlich auch übernommen). Sei es als Leistung im Rahmen der Impfschutzgesetzgebung (die dafür schleunigst geändert werden müsste). Nicht zuletzt muss auch die Preisgestaltung von Medikamenten zur Prävention von den Staaten stärker reguliert werden, wenn die Pharma-Industrie nicht selbst handelt und die Preise drastisch senkt.

Wer sich PrEP – wie auch immer – eigenverantwortlich organisiert, nimmt den Schutz seiner selbst Gesundheit in die Hand. Das begrüßen wir! Vergessen wir dabei nicht, dass nicht jede*r dazu in der Lage ist und fordern gemeinsam und solidarisch: PrEP FÜR ALLE, DIE SIE BRAUCHEN!

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Weitere Infos

HIV-Schwerpunktpraxen in Deutschland
hivandmore.de
dagnae.de

Testung der Generika
aidsmap.com

Rückgang der Infektionen in London
i-base.info
newscientist.com
aidshilfe.de

Weitere Informationen
hivreport.de

Beipackzettel für Truvada®
ema.europa.eu

Alle Angaben ohne Gewähr. Die Love Lazers lehnen jegliche Haftung für die gemachten Angaben ab. Im Zweifelsfalle bitte die Fach-Info zu den Medikamenten zu Rate ziehen. Bei fehlerhaften Angaben im Text bitten wir um Hinweis. Die Rechte für die eingetragenen Marken/Produkte (®) liegen bei den Hersteller*innen. Die Love Lazers sind unabhängig von kommerziellen Anbietern und erhalten von dort keine finanziellen Mittel oder anderweitige Leistungen. (Love Lazers, Stand: Januar 2017).

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